{"id":10709,"date":"2019-03-03T15:28:59","date_gmt":"2019-03-03T15:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/?p=10709"},"modified":"2019-03-03T16:37:40","modified_gmt":"2019-03-03T16:37:40","slug":"eduard-weissmann-1943-2019-%e2%80%a2-zwei-nachrufe-%e2%80%a2-two-obituaries","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/?p=10709","title":{"rendered":"Eduard Weissmann (1943-2019) \u2022 Zwei Nachrufe \u2022 Two Obituaries"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10710\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10710\" class=\"wp-image-10710 size-large\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"416\" srcset=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32-300x200.jpg 300w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32-768x512.jpg 768w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32-624x416.jpg 624w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-32.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10710\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Eduard Weissmann and G\u00f6tz Teutsch (2017) \u2022 Photo by courtesy of Christel Wollmann-Fiedler<\/strong><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_10730\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10730\" class=\"wp-image-10730 size-large\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"416\" srcset=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19-300x200.jpg 300w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19-768x512.jpg 768w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19-624x416.jpg 624w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Teutsch-5.11.17-19.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10730\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Eduard Weissmann and G\u00f6tz Teutsch (2017) \u2022 Photo by courtesy of Christel Wollmann-Fiedler<\/strong><\/p><\/div>\n<h1><strong>Gedenken an Eduard Weissmann<\/strong><\/h1>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6tz_Teutsch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">G\u00f6tz Teutsch:<\/a> \u00bbUnd jetzt noch einen Witz\u00ab. Ohne diese Verabschiedung konnte man nicht nach einem Treffen mit Edy gehen. Edys Witze, das sich Verbergen hinter dem Witz, einem Czernowitzer J\u00fcdischen Witz, war die Maske dieses wunderbaren Menschen. Wenn es ihm elend ums Herz wurde \u2013 kam ein Witz. Witze gesprochen in seinem wunderbaren Czernowitzer Dialekt, haarscharf gedacht und unverwechselbar. Hinter diesem Witzeerz\u00e4hler verbarg sich eine wunderbare feine Seele. Eine Seele die unendlich viel gelitten, die immer seine verlorene Heimat suchte und die durch das erz\u00e4hlen von Witzen sie f\u00fcr sich und uns wieder auferstehen lie\u00df. Geboren in Czernowitz, vertrieben, herumgeirrt und in Bukarest als Kind gelandet. \u2028Da haben wir uns kennen gelernt. Beide Sch\u00fcler des Musikgymnasiums in Bukarest. Und beide studierten wir Cello beim gleichen Lehrer. Seit der Zeit waren wir Freunde. Alle beide sind wir nach Berlin gezogen und hier war Edy Cellist des Radio Symphonie Orchesters (RSO- heute Deutsches Symphonie Orchester). In der Philharmonie trafen wir uns oft vor Proben und Konzerten. Immer war Edy dieser feine, stille, meist etwas traurige alte Freund \u2013 und ohne den Witz gingen wir nicht auseinander. Auf seine Anregung haben wir gemeinsam eines meiner sch\u00f6nsten Projekte in der Berliner Philharmonie gemacht: <a href=\"https:\/\/www.berliner-philharmoniker.de\/en\/concerts\/calendar\/details\/51062\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eCzernowitz is gewen an alte, jidische Schtot&#8230;\u201c<\/a> . Immer hatte ich das Gef\u00fchl, es ist eine kleine Liebeserkl\u00e4rung an meinen alten Freund. Und nun hat uns dieser wunderbare Freund auf immer verlassen. Czernowitz und wir alle trauern.<\/strong><br \/>\n<strong>Schalom, lieber Edy! \u2022 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%B6tz_Teutsch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">G\u00f6tz Teutsch<\/a><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_10731\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10731\" class=\"wp-image-10731 size-large\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659-300x225.jpg 300w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659-768x576.jpg 768w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1659-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10731\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Hedwig Brenner, Othmar Andr\u00e9e, Eduard and Gabriele Weissmann (2011)<\/strong><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_10721\" style=\"width: 635px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10721\" class=\"wp-image-10721 size-large\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667-300x225.jpg 300w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667-768x576.jpg 768w, http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMGP1667-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10721\" class=\"wp-caption-text\"><strong><em>Eduard Weissmann and Christel Wollmann-Fiedler (2011)<\/em><\/strong><\/p><\/div>\n<h1>Eduard Weissmann 1943 &#8211; 2019<\/h1>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.wollmann-fiedler.de\/files\/aktuell\/aktuell.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Christel Wollmann-Fiedler:<\/a> Czernowitz, die ber\u00fchmte deutsch-j\u00fcdische Literaturstadt der Donaumonarchie war seine Stadt, die Stadt seiner Familie, die Stadt, in der er, Eduard Weissmann, 1943 zu Zeiten des Ghettos geboren wurde. Der Gemeinderabbiner der Synagoge in der Rykestra\u00dfe am Prenzlauer Berg in Berlin, selbst ein Czernowitzer, erz\u00e4hlte in sehr sch\u00f6nen Worten wie ein alter Freund \u00fcber Eduard Weissmann. An einem sonnigen Februartag dachten wir in der kleinen Kapelle auf dem J\u00fcdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg an Edy, wie er genannt wurde, dachten an ihn, den Cellisten und geistreichen Erz\u00e4hler. Rabbi Ronis wei\u00df viel \u00fcber ihn, seine Frau Gabriele und \u00fcber die Tochter Nadine. Von ihr, der Tochter Nadine, einer ber\u00fchmten Mezzosopranistin, lasse ich mir \u00fcber ihren Vater erz\u00e4hlen. In eine durch und durch musikalische Familie wird Edy geboren, seine Mutter Alma ist eine begnadete S\u00e4ngerin. Als junges M\u00e4dchen bekommt sie Gesangsunterricht beim Kantor der Gro\u00dfen Synagoge in Czernowitz, dem sp\u00e4ter weltber\u00fchmten Tenor Josef Schmidt. Deportationen und der Krieg verhindern eine weitere professionelle Ausbildung, doch bis ins hohe Alter singt sie und begleitet sich auf der Gitarre, erinnert sich Nadine, die Enkelin. F\u00fcr ihren Sohn Edy sucht Alma das Klavier aus, doch Freude bereitet es ihm kaum, eher wird das Instrument zur Qual, dann wird es das Cello. Die Freude ist nicht \u00fcbergro\u00df, doch soll es das Instrument seines Lebens werden. Eduard Weissmanns Familienschicksal in Czernowitz ist gepr\u00e4gt durch die beginnenden antisemitischen Ausschreitungen nach dem Ende des 1. Weltkriegs in Rum\u00e4nien. Der junge hochbegabte Orchesterleiter eines Balalaikaensembles, der j\u00fcngere Bruder der Mutter Alma, wird von Rum\u00e4nischen Faschisten gefasst, verh\u00f6rt, ihm werden die Fingern\u00e4gel gezogen und aus dem 3. Stock wird er geworfen. Mitte zwanzig ist Edi Wagner als er ermordet wird, auf dem J\u00fcdischen Friedhof in Czernowitz liegt er begraben. Die tragische Geschichte des Onkels und seines Namensgebers wird Eduard Weissmann bis in den Tod begleiten, ihn nie mehr loslassen. 1945 flieht die Czernowitzer Familie Weissmann nach Bukarest, wie viele andere j\u00fcdische \u00fcberlebende Familien damals. Eingeschult wird Edy in eine Deutsche Schule, sp\u00e4ter besucht er das Musikgymnasium und beginnt anschlie\u00dfend das Cellostudium an der Musikhochschule in Bukarest. Die Eltern stellen in der Volksrepublik Rum\u00e4nien den Ausreiseantrag f\u00fcr Israel, der Antrag f\u00fcr ein anderes Land wird nicht genehmigt. 1966 verlassen sie mit Sohn Eduard Rum\u00e4nien, werden einige Wochen in Neapel sein und landen im Fl\u00fcchtlingslager in N\u00fcrnberg. Edys Mutter Alma m\u00f6chte nicht nach Israel, in D\u00fcsseldorf werden sie ankommen, wo schon der eine oder andere Verwandte oder Freund eine neue Heimat gefunden hat. Edy muss ohne sein Cello das kommunistische Rum\u00e4nien verlassen, darf es nicht mitnehmen in den Westen und kann monatelang nicht \u00fcben. Mit einem Empfehlungsschreiben seines Bukarester Professors wird er als Student bei Professor Gaspar Cassado an der K\u00f6lner Hochschule f\u00fcr Musik auf einem geliehenen Instrument vorspielen. Sein Vorspiel ist so gut, dass Professor Cassado noch am gleichen Tag ein Stipendium f\u00fcr Edy arrangiert und ein Zimmer im Studentenwohnheim bekommt er auch. Kurz darauf stirbt sein Lehrmeister Cassado und das Studium beendet er bei einem anderen Professor. Es folgt ein einj\u00e4hriges DAAD Stipendium f\u00fcr Venedig und Edy bekommt die M\u00f6glichkeit im Orchestra La Fenice hin und wieder mitzuspielen. Zwischenzeitlich bewirbt er sich als Cellist beim RIAS-Symphonieorchester in West-Berlin und geht 1970 nach Berlin. Die Familien Weissmann und Gold kennen sich aus Czernowitz, treffen sich sp\u00e4ter in Bukarest wieder, wo Gabriele Gold geboren wird. Professor Dr. Gold verl\u00e4sst \u00fcber Umwege mit Ehefrau und Tochter Rum\u00e4nien. Bis zu seiner Pensionierung ist er als Immunologe an der Universit\u00e4t Bristol in England t\u00e4tig. Gabriele Gold, die Tochter, studiert in London und arbeitet einige Jahre in Genf. Die Hochzeit von Edy Weissmann und Gabriele Gold wird 1972 in Bristol stattfinden, zusammen gehen sie nach West-Berlin in den Stadtteil Wilmersdorf, 1974 wird dort Nadine, das einzige Kind von Gabriele und Eduard Weissmann geboren. Seit \u00fcber vierzig Jahren ist Charlottenburg das Zuhause der Weissmanns. Eduard Weissmanns Synagoge und die seiner Frau und seiner Tochter ist die liberale Synagoge in der Pestalozzistra\u00dfe in Berlin &#8211; Charlottenburg, wo der Gottesdienst von einem Chor und einer Orgel begleitet wird. In einem Hinterhof liegt das Gotteshaus und konnte w\u00e4hrend der Novemberpogrome 1938 von den Nazis nicht niedergebrannt werden. 1994 sterben die Eltern von Edy Weissmann kurz hintereinander und werden auf dem J\u00fcdischen Friedhof Heerstra\u00dfe im Grunewald im Berliner Westen beerdigt. Von Rabbi Ronis h\u00f6ren wir, dass Edy Weissmann ein gro\u00dfer F\u00f6rderer und auch der gr\u00f6\u00dfte Kritiker seiner Tochter Nadine, der Operns\u00e4ngerin, ist, die auf gro\u00dfen B\u00fchnen dieser Welt auftritt. Gabriele und Eduard Weissmann reisen um die Welt, um bei jeder Opernpremiere der Tochter dabei zu sein. Mit dem Song \u201ePapa, Can You hear Me\u201c, aus dem Film \u201eYentl\u201c von Barbra Streisand verabschiedet sich Nadine, die Mezzosopranistin, von ihrem Vater, dem Musiker, dem Cellisten, dem geistreichen Erz\u00e4hler. Er, Edy, hat dem Gesang Nadines gelauscht.<\/strong><br \/>\n<strong>Berlin, Februar 2019 \u2022 <a href=\"http:\/\/www.wollmann-fiedler.de\/files\/aktuell\/aktuell.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Christel Wollmann-Fiedler<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.israel-nachrichten.org\/archive\/33229\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>G\u00f6tz Teutsch on Cello, Jewish Composers and Jewish Literature in Czernowitz, interviewed by Christel Wollmann-Fiedler, published by Israel Nachrichten [Israel News] in November 2017.<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedenken an Eduard Weissmann G\u00f6tz Teutsch: \u00bbUnd jetzt noch einen Witz\u00ab. Ohne diese Verabschiedung konnte man nicht nach einem Treffen mit Edy gehen. Edys Witze, das sich Verbergen hinter dem Witz, einem Czernowitzer J\u00fcdischen Witz, war die Maske dieses wunderbaren Menschen. Wenn es ihm elend ums Herz wurde \u2013 kam ein Witz. 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