{"id":8836,"date":"2015-11-19T12:15:21","date_gmt":"2015-11-19T11:15:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/?p=8836"},"modified":"2015-11-19T12:15:21","modified_gmt":"2015-11-19T11:15:21","slug":"prof-petro-rychlo-received-the-georg-dehio-cultural-award","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/?p=8836","title":{"rendered":"Prof. Petro Rychlo Received the Georg Dehio Cultural Award"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0075.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8837\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0075-600x400.jpg\" alt=\"DSC_0075\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Rychlo-9-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8838\" src=\"http:\/\/ehpes.com\/blog1\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Rychlo-9-15-600x400.jpg\" alt=\"Rychlo-9-15\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Christel Wollmann-Fiedler<\/strong><br \/>\n<strong>Berlin, 24. September 2015<\/strong><br \/>\n<strong>Georg Dehio-Kulturpreis 2015\u00a0 an Professor Dr. Petro\u00a0 Rychlo aus Czernowitz<\/strong><\/p>\n<p>Das moderne helle Atrium der Deutschen Bank in einem Altbau Unter den Linden in Berlin-Mitte ist eine sch\u00f6ne Umgebung f\u00fcr das wichtige Fest, f\u00fcr die Georg Dehio-Kulturpreisveleihung des Jahres 2015. Eine k\u00fcnstlerische Collage des Czernowitzer Jugendstilbahnhofs in Gro\u00dfformat\u00a0 steht\u00a0 auf dem Podium und ist von weitem zu erkennen. Der Kulturpreis geht schlie\u00dflich an einen aus Czernowitz kommenden, einen in vielen L\u00e4ndern bekannten und hochgesch\u00e4tzten\u00a0 Literaturprofessor der Jurij Fedkowitsch Universit\u00e4t, Herrn Dr. Petro Rychlo. Den Nebenpreis erh\u00e4lt das tschechische Filmprojekt \u201eAlois Nebel\u201c,\u00a0 des\u00a0 Regisseurs Tomas Lunak , des Grafikers Jaromir 99 und des Autors Jaroslav Rudis. Martin Becker, der Journalist und Schriftsteller, h\u00e4lt die gekonnte ideenreiche Laudatio.<\/p>\n<p>Das Deutsche Kulturforum \u00f6stliches Europa in Potsdam hat zu dem Abend eingeladen und\u00a0 vergibt den honorigen Preis.<!--more--> Der Este Georg Dehio aus Reval gab dem Preis den Namen. Auf dem\u00a0 alten T\u00fcbinger Stadtfriedhof, unweit von Friedrich H\u00f6lderlin und Ludwig Uhland,\u00a0 fand er 1932\u00a0 seine letzte Ruhe.<br \/>\nDie Albumbl\u00e4tter des b\u00f6hmisch-deutschen Komponisten\u00a0 Hans Sitt, der in Prag geboren und in Leipzig begraben wurde, spielten die Violinistin Tomoe Imazu und die Pianistin Sefuri Sumi, eine wunderbare festliche Stimmung entstand im hellen Atrium. Die Begr\u00fc\u00dfungsrede hielt Dr. Harald Roth, der Direktor des bereits genannten Kulturforums, Gru\u00dfworte sprachen Ministerialrat Dr. G\u00fcnter Winand von der Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien und Mgr. Daniel Hermann, der Kulturminister der Tschechischen Republik.<\/p>\n<p>Reiner Kunze der Altmeister der deutschen Lyrik, der einst der DDR den R\u00fccken kehrte und mit Petro Rychlo befreundet ist, hielt die Laudatio auf\u00a0 den Geehrten. Petro Rychlo besch\u00e4ftigte sich bereits in den 1970 Jahren mit deutscher Literatur, mit deutscher Literatur aus der DDR. Viele Dichter lernte er im Osten Deutschlands pers\u00f6nlich kennen, so auch Christa und Gerhard Wolf. \u00dcber Stefan\u00a0 Hermlin promovierte er und traf sich mit ihm in Berlin und in Moskau.<\/p>\n<p>Professor Dr. Petro Rychlo wurde 1950\u00a0 in Schyschkowitz im Bezirk Kotzman in der Bukowina an der Grenze zu Galizien in der damalige Sowjetunion geboren, ging dort zur Schule, studierte Germanistik und Literaturwissenschaft an der\u00a0 Universit\u00e4t in Czernowitz. Aus einer ukrainischen Familie stammt Petro Rychlo, die deutsche Sprache ist nicht seine Muttersprache; er spricht sie perfekt!<\/p>\n<p>Reiner Kunze erz\u00e4hlt \u00fcber Czernowitz, der Stadt der kulturellen Vielfalt,\u00a0 erz\u00e4hlt, dass dort u.a. Deutsche, \u00d6sterreicher, Ukrainer, Rum\u00e4nen, Juden, Polen und Armenier lebten, und zitiert aus einer Rede von Petro Rychlo \u201e Die kleine Bukowina hat vielleicht zum ersten Mal so deutlich und \u00fcberzeugend demonstriert, wie produktiv das harmonische Zusammenleben mehrerer V\u00f6lkerschaften sein kann, die durch gegenseitige Sympathie und humanistische Kultur verbunden sind.\u201c\u00a0 Reiner Kunze ist ein Freund von Petro Rychlo\u00a0 und Kenner seiner\u00a0 wissenschaftlichen und literarischen Arbeit. Von ihm erfahren wir, dass\u00a0 der Literaturwissenschaftler und Germanist Petro Rychlo Stapel von \u00dcbersetzungsb\u00e4nden herausgegeben hat, eine zehnb\u00e4ndige zweisprachige Ausgabe der Gesammelten Gedichte Paul Celans, erinnert an seine Abhandlung J\u00fcdische Identit\u00e4tssuche in der deutschsprachigen Dichtung der Bukowina, erinnert an Werkausgaben, u.a. an die deutschsprachigen Prosa der ukrainischen Klassikerin Olga Kobylanska, erinnert an die Vielzahl von\u00a0 Anthologien und\u00a0 erkl\u00e4rt uns die Schwierigkeiten ein Gedicht zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Noch Mannigfaches k\u00f6nnte gesagt werden, wenn man die vielen Lobesschriften \u00fcber Petro Rychlo liest. Ukrainische, deutsche und \u00f6sterreichische Auszeichnungen bekam er f\u00fcr seine literarischen wissenschaftlichen Aufarbeitungen und \u00dcbersetzungen nach der \u00d6ffnung der Grenzen in Europa. Sein Name\u00a0 ist eng verbunden mit der Wiedergeburt der deutschsprachigen j\u00fcdischen Schriftsteller und Lyriker der Zwischenkriegszeit, die den Judenverfolgungen und Deportationen ausgesetzt waren. Selma Meerbaum-Eisinger \u00fcberlebte nicht, starb mit achtzehn Jahren an Typhus in Transnistrien.\u00a0 Fast alle flohen\u00a0 nach der politischen Teilung der Bukowina 1945 nach Bukarest, in den Westen Europas oder weiter in die freie Welt. 1945 wurde die deutsche Sprache, die Sprache des Feindes. Bis 1990 wurden diese\u00a0 deutschsprachigen j\u00fcdischen Dichter\u00a0 der Bukowina und Galiziens in Schulen und an Universit\u00e4ten\u00a0 nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Das Literaturfestival\u00a0 MERIDIAN in Czernowitz\u00a0 mit der vierw\u00f6chigen Lyriktournee vom Osten Europas\u00a0 bis in den Westen,\u00a0 dass in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfand,\u00a0 ist ohne Professor\u00a0 Dr. Petro Rychlo und sein immenses Literaturwissen und seine \u00dcbersetzerkunst kaum denkbar.<\/p>\n<p>In seiner Dankesrede erz\u00e4hlt uns Professor Dr. Petro Rychlo, der Dehio-Preis-Geehrte, \u201eDiese lebensspendende Eigenschaft der \u00dcbersetzung im Auge behaltend, habe ich mich all diese Jahre bem\u00fcht, die Stimmen der vergessenen und vertriebenen, ermordeten und verschollenen deutschj\u00fcdischen Dichter der Bukowina wieder zu beleben. Diese literarische Aufgabe betrachte ich zugleich als eine moralische Mission, als Wiederherstellung der geschichtlichen Gerechtigkeit und m\u00f6chte ihr, gem\u00e4\u00df meinen bescheidenen Kr\u00e4ften, auch weiterhin dienen\u201c.<\/p>\n<p>Der Laudator Reiner Kunze fasst in zwei kurzen S\u00e4tzen Wesentliches zusammen: \u201ePetro Rychlos Werk selbst ist mitteleurop\u00e4ischer kultureller Raum ukrainischer Identit\u00e4t. Europa schuldet dem heutigen Preistr\u00e4ger gro\u00dfen Dank\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Christel Wollmann-Fiedler Berlin, 24. September 2015 Georg Dehio-Kulturpreis 2015\u00a0 an Professor Dr. Petro\u00a0 Rychlo aus Czernowitz Das moderne helle Atrium der Deutschen Bank in einem Altbau Unter den Linden in Berlin-Mitte ist eine sch\u00f6ne Umgebung f\u00fcr das wichtige Fest, f\u00fcr die Georg Dehio-Kulturpreisveleihung des Jahres 2015. 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